Bereits heute ist es Leuten in bestimmten Berufen kaum möglich verbindlich an gesellschaftlichen Aktivitäten ("Vereinen") teilzunehmen und es mangelt an allen Ecken und Enden an freiwilligen Mitarbeitern. Wenn hier auch noch der Detailhandel mit der grossen Mitarbeiterzahl auch noch rund um die Uhr bereitstehen muss, wird das enorme negative Auswirkungen auf diese "Vereinsaktivitäten" haben.
Eigentlich könnten wir nach Amerika blicken und uns fragen ob wir das wirklich so möchten - nur weil wir nicht mehr fähig sind unsere Grundbedürfnisse planerisch auf eine Woche zu decken?
Eigentlich könnten wir nach Amerika blicken und uns fragen ob wir das wirklich so möchten - nur weil wir nicht mehr fähig sind unsere Grundbedürfnisse planerisch auf eine Woche zu decken?
16 Kommentare
Lieber StefanThomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 29. Juli 2010 Verstoss melden
Das Beispiel Amerika funktioniert in deiner Argumentation nicht: Wohl haben die Amis die 24/7-Regel auf die Spitze getrieben bzw. übertrieben - gleichzeitig haben sie aber ein Sozial- und Vereinsleben, von dem wir Schweizer nur träumen können. Auch sind die Amerikaner eher bereit, sich selbstlos gesellschaftlich zu engagieren, im Unterschied zu uns. Sie schaffen es also, liberale Geschäftszeiten mit ausgiebigem Sozialleben zu kombinieren.
Nicht alles, was von Amerika kommt, ist von vornherein als schlechtes Beispiel zu zitieren.
Hallo ThomasStefan von Bern 29. Juli 2010 Verstoss melden
Von welchem Sozial- und Vereinsleben soll ich träumen. Ich habe gute Freunde in den Staaten und kenne durch sie und ihrem Freundeskreis das normale Familenleben... ich möchte das hier nicht.
Du hast scheinbar etwas anderes kennengelernt....
Ganz offensichtlich (ich bin seit 19 Jahren mit einer Amerikanerin verheiratet, habe knapp sieben Jahre in NY gelebt und bin regelmässig in den Staaten unterwegs - hauptsächlich im Nordwesten). Viele unserer Familienangehörigen und Freunde in den USA sind gesellschaftlich bedeutend aktiver als "wir Schweizer" (ich spreche von persönlichem Einsatz, nicht von Facebook etc.). Aber da trifft wahrscheinlich Aussage auf Aussage.Thomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 29. Juli 2010 Verstoss melden
Anyway, in einem Schweizer Haushalt, in dem beide Elternteile in einem "normalen" Angestelltenverhältnis arbeiten, bleibt heute häufig nur noch der Samstag als Einkaufsmöglichkeit - und wie's am Samstag bei unseren Grossverteilern aussieht, weisst du ja auch. Wenn man dann noch zwängelige Kinder zum Einkauf mitnehmen muss, wird's für alle beinahe untragbar.
Liberalere Einkaufsmöglichkeiten wären in diesem Sinne sicher angebracht - aber wie gesagt, es muss nicht sooo liberal sein wie ännet dem Atlantik.
Da fällt mir grad auf, du sprichst ja vom Familienleben und ich vom Sozialleben. Mit dem (amerikanischen) Familienleben, wie du's oben beschreibst aufgrund deiner Erfahrungen, bin ich ebenfalls nicht zufrieden - diese Zustände möchte ich auch nicht hier. Wobei das durchschnittliche Familienleben in den USA, oder das Fehlen desselben, nicht nur in direktem Zusammenhang mit den Ladenöffnungszeiten gesehen werden kann.Thomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 29. Juli 2010 Verstoss melden
Hab eigentlich auch vom Sozialleben geschrieben...Stefan von Bern 29. Juli 2010 Verstoss melden
Als "normale" Angestellte findet man auch unter der Woche genügend Zeit zum Einkaufen und Angestellte in Schichtarbeit haben ebenso genügend Zeit.
Hingegen ist es eine wahre Kunst mit Freunden aus Pflegeberufen und anderen Allzeitbereiten Bandproben oder verbindliche Vereinsarbeit zu organisieren.
Ist das neue Kundenverhalten nicht eher so, dass das man keinen Grundstock an "Notvorrat" mehr führt, dass man eher zum nächsten Tankstellenshop fährt als beim Nachbar anklopft? Funktioniert denn die viel erwähnte Spontanparty nur mit Kaviar und Prosecco?
"Ist das neue Kundenverhalten nicht eher so, dass das ... man eher zum nächsten Tankstellenshop fährt als beim Nachbar anklopft? Funktioniert denn die viel erwähnte Spontanparty nur mit Kaviar und Prosecco?" - Wer hat denn schon Kaviar und Prosecco für Spontanparties zu Hause allzeit bereit?Thomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 29. Juli 2010 Verstoss melden
Das mit dem Tankstellenshop ist ein "case in point" - warum zum Tankstellenshop? Weil er länger offen ist als der Grossverteiler! Es ist in der Tat schade, dass die Kultur des Anklopfens nebenan am Aussterben ist...
@StefanClaudia Boesch - kandidiert für Stadtrat Thun, GLP 29. Juli 2010 Verstoss melden
auch Leute in Pflegeberufen können an Vereinsleben teilnehmen. Das weiss ich, da ich es selber erlebe. Man muss es nur angeben und eben die Frei oder Dienste so wünschen. Wer den Beruf als Hauptgrund angiebt will nicht wirklich teilnehmen.
Zudem, ich habe seit jeher Schicht- oder Teildienst gearbeitet. Und da wird das Einkaufen oft zur Hetzte. Früher mehr als heute. Während der Pause zwischen dem Dienst will man nicht unbedingt immer einkaufen und nach dem Dienst ging es nicht. Das hiess oft nur am Donnerstag oder wenn Frei möglich. Daher bin ich sehr wohl für liberale Öffnungszeiten. Denn wie ich es vor Jahren in Canada erlebt habe, machen dann nicht alle Läden auf. Viele merken sehr schnell was sich lohnt und was nicht.
@ ClaudiaStefan von Bern 30. Juli 2010 Verstoss melden
Arbeitest Du jetzt in einem Pflegeberuf, oder im Gastgewerbe?
"man muss es nur angeben und eben die Frei oder Dienste so wünschen" das glaubst Du ja selbst nicht, dass das im Alltag funktioniert. Eine Juniorenmannschaft trainieren mit 1-2 Trainings und noch ein paar Meisterschaftsspiele - und das soll in einem meist zu knappen Team funktionieren????
Es ist doch genau diese Haltung die mir mühe macht. Deine liberale Einstellung hört dort auf, wo du selber betroffen bist (Rauchverbot), aber dort wo es dir entgegenkommt (zwischen dem Dienst will man nicht unbedingt immer einkaufen) sollen noch mehr Angestellt mit unmöglichen AZ allzeit bereit stehen....
@ThomasStefan von Bern 30. Juli 2010 Verstoss melden
"Das mit dem Tankstellenshop ist ein "case in point" - warum zum Tankstellenshop? Weil er länger offen ist als der Grossverteiler!"
Und damit dieser richtig rentiert, vergrössert man das Angebot, da er ja eh offen ist. Wenn ich nun bei der Tankstelle meine Einkäufe tätige, gehe ich der Migros/Coop verloren und die müssen nachziehen. Wenn dann wieder alle die gleichen Öffnungszeiten haben, wird wieder dort eingekauft wo es am günstigsten ist. Die günstigsten Preise kann man mit den niedrigsten Kosten, oder mit den bestmöglichen Umsätzen erziehlen. Und schnell ist das Personal einfach zu teuer.....
Schlussendlich wird doch nicht mehr eingekauft - es entstehen nur Mehrkosten.
Ich gehe nicht davon aus, dass der Durchschnittsbürger seine regelmässigen Einkäufe im Tankstellenshop macht (weil er eben teurer ist). Er ist da, um "Notstände" zu überbrücken, weil man sich ja nicht mehr dafür hält, beim Nachbarn anzuklopfen. Den Grossverteilern geht dadurch kein Kunde verloren und Grossverteiler werden kaum aus Konkurrenz-Denken gegenüber Tankstellen länger öffnen als Tankstellenshops.Thomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 30. Juli 2010 Verstoss melden
Gesetzlich geregelte Öffnungszeiten im Detailhandel sind ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft, welche sich ohne diese Vorschriften automatisch gemäss den Gesetzen von Angebot und Nachfrage (sowohl produkteseitig wie i.S. Personal) regulieren würde.
@ThomasStefan von Bern 30. Juli 2010 Verstoss melden
Dein Glaube an die Allmacht der freien Marktwirtschaft hat schon fast sektiererische Züge.... ;-)
Gesetzlich geregelte Alkoholverkaufsverbot an Jugendliche, verbotener Drogenhandel, Rauchverbot, Nacht- und Sonntagsfahrverbot für Lastenzüge etc. sind auch alles Eingriffe in die freie Marktwirtschaft. Und auch hier würde sich gemäss den Gesetzen von Angebot und Nachfrage wohl alles von selbst Regulieren. Nur welchen Preis hätten wir als Gesellschaft dafür zu bezahlen.
Wenn es um das G im Namen deiner Partei geht, wägst du ja auch vorausschauendend ab was nachhaltig gut oder schlecht für die Natur ist, um danach unliberal und überhaupt nicht der freien Marktwirtschaft unterliegend Gesetze und Vorschriften zu erlassen. Warum trägst du zu unserer Gesellschaft nicht dieselbe Sorge? Wie die Natur, so muss auch die Gesellschaft vom Raubbau einiger rücksichtslosen Gierhälse und Gedankenloser geschütz werden.
Das kann, erwiesenermassen, die freie Marktwirtschaft nicht.
Busted! - Ich hoffe aber doch, dass du mich nicht zu den Gierhälsen und Gedankenlosen zählst ;-)Thomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 30. Juli 2010 Verstoss melden
Du hast vollkommen recht. Freie Marktwirtschaft ist so frei eben nicht. V.a. beim Lastwagenfahrverbot sehe ich aber die Logik genau so wenig, wie bei den Öffnungszeiten im Detailhandel. Wobei mir bei den LKWs deren Verbannung auf die Schiene, wo möglich, als die beste Lösung erscheint, so von wegen G im Parteinamen...
Bei Alkohol, Drogen, Rauch, etc. geht's hingegen um die physische Gesundheit der jeweiligen Konsumenten und deren Mitmenschen, weshalb in diesen Fällen eine Regulierung wieder Sinn macht ("Verbot" tönt zu stark, da Suchtmittel ja nicht generell verboten, sondern nur deren Konsum reguliert wird).
Das gesellschaftliche Zusammenleben könnte m.E. durch liberalere Öffnungszeiten sogar noch gefördert werden - nämlich dann, wenn's beim Grossverteiler noch ein bequemes Kaffeehaus oder ein einladendes Pub mit gleichen Zeiten hat - shopping and a drink...
Nein nein - bei G Themen zeigst du ja, dass es wichtigeres als kurzfristige Gewinnmaximierung gibt und trotz nachhaltigen Umweltschutz sogar wirtschaftlich erfolgreich Gewirtschaftet werden kann (könnte). Das gefällt mir an der GLPStefan von Bern 30. Juli 2010 Verstoss melden
In sozialpolitischen Themen wünschte ich mir von der GLP dieselbe Weitsicht.... doch da wird mir für meinen Geschmack zu sehr die Religion der freien Marktwirtschaft gepredigt. Und dir merkt man das Parteiprogramm gut an....
@StefanClaudia Boesch - kandidiert für Stadtrat Thun, GLP 30. Juli 2010 Verstoss melden
jetzt in der Pflege. Wo ich einen Kollegen habe welcher Aktiv bei einer U19 Mannschaft mitmacht. Also am Abend muss er weg und am Wochenende hat er immer frei. Das geht ohne Probleme. Auch wenn wir mal knapp an Personal sind. Bis jetzt war er Praktikant ab August ist er Angestellt. Auch im Gastgewerbe geht es, doch ist es dort schwerer.
Noch was zum einkaufen in der Zimmerstunde. Oft ist die so knapp angelegt, dass man gerade noch was essen kann. Oder man muss sonst was in der Wohnung machen. Einkaufen liegt einfach nicht auch noch drin sonst wird es ein Stress. Das verschiebt man dann gerne auf die Tage oder die Stunden wo es besser geht.
Zudem will ich nicht noch viel andere Öffnungszeiten generel.Claudia Boesch - kandidiert für Stadtrat Thun, GLP 30. Juli 2010 Verstoss melden
Sondern das mindest der heutige Standart beibehalten wird und ev. auch an Sonntagen geöffnet werden darf. Natürlich mit den Zuschlagen wie in anderen Gewerben üblich. Wo ich schwierigkeiten habe ist bei der Begründung wieso es nicht geht. Denn das Gastgewerbe und der ÖV machen es vor. Auch diese Angestellten haben Familie welche oft nicht im gleichen Gewerbe arbeiten und auch die haben ein Familienleben und schaffen es.
Beim Rauchverbot bin ich eher pragmatisch eingestellt. Es sollte im Restaurant verboten sein, ausser in den Raucherzonen und dort darf man essen und servieren da viele Gastgewerbler, fast 90%, eh rauchen. Zudem sollte es erlaubt sein eine Hotelbar als Fumoir auszuweisen.
Bei den Lastwagen bin ich aber voll hinter der heutigen Regel. Man muss die LKW's auf die Schienen bringen, dafür haben wir die NEAT gebaut.
Danke für die Blumen, Stefan. Übrigens noch in Sachen freie Marktwirtschaft, die sich alleine reguliert, oder das allenfalls nicht kann: Das Zürcher Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz (OS 822.4) sieht unter Para.4, Ladenöffnung an Werktagen, vor, dass "Von Montag bis Samstag ... die Läden der Detailhandelsbetriebe ohne zeitliche Beschränkung geöffnet sein (können)."Thomas Kalau - Präsident glp Oberaargau, GLP 3. August 2010 Verstoss melden
Wieviele machen von diesem Angebot gebrauch? Offenbar haben die Ladenbesitzer und Grossverteiler gemerkt, dass das Einkaufspotential um 23:30 Uhr nicht mehr so gross ist, wie um 17:00 Uhr - die freie Marktwirtschaft lässt die Läden automatisch zu einem gewissen Zeitpunkt schliessen, sozusagen...
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